frei schnauze

11. Dec 2008

Der Fall Thorben L.

Als Thorben L. aus Oliva / Costa Blanca Ende September aus seiner Berufsschule in Denia  von zwei Beamten der Guardia Civil abgeführt wurde, ahnte er nicht warum, und vor allem nicht, was ihm noch bevorsteht.
Er wurde in den Nachbarort Javéa gebracht, und dort inhaftiert. Kein Beamter konnte erklären, warum dort hin, der Ort liegt ausserhalb des Zustängigkeitsbereiches.
Im Laufe des Tages stellte sich heraus, dass eine Nachbarin der Familie den Jungen wegen sexueller Nötigung ihrer fünf jährigen Tochter angezeigt hat,  wobei sich die Tochter zusätzlich mit einer Geschlechtskrankheit infiziert hätte.
Was war passiert? Ungefähr 6 Wochen vor der Verhaftung hat Thorben bei einem Kindergeburtstag auf dem Grund der Familie L. auf die zwei kleinen Schwestern und den Besuch aufgepasst. Als die fünf jährige Stella im Pool ausrutschte, Wasser schluckte und Probleme hatte, aus dem Pool wieder herauszukommen, hat Thorben zugegriffen, ihr heraus geholfen und sich etwas gekümmert. Soweit so harmlos.
Wieso es 6 Wochen dauerte, bis die Nachbarin Thorben anzeigte, bleibt ein Rätsel.
Nach vielem hin und her wurde Thorben 3 Tage später in ein Jugendgefängnis bei Alicante verlegt.
DNA Tests wurden gemacht, aber deren Auswertung verschleppt. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass diese Tests alle negativ waren.
Trotzdem wurde der Junge nicht freigelassen, angeblich weil Fluchtgefahr bestehe – Thorben lebt aber in geordneten Verhältnissen bei seinen Eltern und besitzt nicht mal einen Reisepass – und weil der Verdacht immer noch nicht ganz ausgeräumt ist.
Vor zwei Wochen wurde die Angelegenheit nach Gandia verlegt, wo sich mittlerweile der dritte Richter in den Fall einarbeiten muss und die Beweisaufnahme von neuem beginnt. Das Gericht in Denia hatte nach 7 Wochen bemerkt, dass es nicht zuständig sei und die Zuständige Richterin sich für inkompetent erklärte.
Alle Bemühungen des Anwalts und der Deutschen Botschaft in Madrid, Thorben aus der U-Haft herauszubekommen, waren bislang vergeblich.
 
Gewisse Ähnlichkeiten zum Fall Marco in der Türkei drängen sich auf, aber wer hätte gedacht, dass so was auch in einem weiteren zivilisierten Land mitten in Europa möglich wäre?
Wie auch immer, an den Folgen wird Thorben jetzt schwer zu tragen haben. Auch wenn sich  die völlige Unschuld bald bestätigen würde, ein Makel wird immer bleiben, abgesehen davon dass die Berufsausbildung jetzt natürlich im Eimer ist.

Clark




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